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Interview

Interview mit Christina Seufert - Greenkeeping, autonomes Mähen und Trends

Christina Seufert über Greenkeeping, Gehälter, Ausbildung und autonomes Mähen. Ein Podcast-Interview aus dem Maschinenraum der Golfanlage.

7 Min. Lesezeit Aktualisiert Mirco Timm Interview

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Cover der Folge Greenkeeping, Gehälter, Ausbildung & autonomes Mähen Interview mit Christina Seufert

Podcast-Folge

Greenkeeping, Gehälter, Ausbildung & autonomes Mähen Interview mit Christina Seufert

Aus Datenschutzgründen wird die Folge erst nach dem Klick geladen. Dauer 39:52.

Worum es geht: Christina Seufert leitet seit 2015 den Greenkeeper Verband Deutschland (GVD). Im Podcast-Interview erklärt sie, wie man Greenkeeper wird, wie autonome Mäher und App-gesteuerte Beregnung die Branche verändern, was Greenkeeper verdienen und warum es ihr nicht nur um Technik geht, sondern vor allem um den Respekt für den Beruf.
Reinhören: Das komplette Gespräch gibt es als Folge im Golf Karriere und Business Podcast.

Von der Geografin zur Greenkeeper-Verbandsleiterin

Christina Seuferts Kindheitstraum war Geographie. Schon ab der dritten oder fünften Klasse stand für sie fest, dass sie das studieren will, vor allem aus Liebe zu Landkarten. Im Studium ging es dann weniger um Karten als um den Blick aufs große Ganze, ein Professor brachte es auf den Punkt: Man weiß von vielem ein bisschen, holt sich die Experten dazu und versteht die Zusammenhänge. Genau das passte zu ihrer breiten Neugier. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über Snowboarden und Tourismus, der Sport blieb ein roter Faden.

Erst spät kam sie selbst zum Golf, hörte dabei, dass es ein eigenes Berufsfeld ist, und wurde Golfanlagenmanagerin. 15 Jahre lang führte sie Anlagen, dazwischen lagen zwei Jahre in der Industrie, sie machte den Golfbetriebswirt beim DGV und engagierte sich aktiv im Golfmanagement-Verband. Als 2015 die Geschäftsleitung beim Greenkeeper Verband Deutschland frei wurde, schloss sich für sie ein Kreis: weg vom Management, wieder hin zu dem, was auf dem Platz tatsächlich passiert, zu Nachhaltigkeit, Platzpflege und der Frage, wie der Verband die Greenkeeper darin unterstützen kann, ihren Job gut zu machen.

Podcast Interview mit Christina Seufert - Greenkeeper Verband Deutschland

Was ist eigentlich ein Greenkeeper?

Greenkeeper arbeiten im Sportrasenbereich, das ist die einfachste Definition. Auf einer Golfanlage ist die Hierarchie üblicherweise gestaffelt: Platzarbeiter erledigen die einfacheren Tätigkeiten wie das Mähen, der Greenkeeper ist die nächste Stufe, und der Head Greenkeeper führt den gesamten Außenbereich, von den Maschinen bis zur Platzpflege. Die Platzpflege ist das größte Budget einer Golfanlage und gleichzeitig ihr Aushängeschild, denn am Ende wird eine Anlage am Platz gemessen, auf dem die Spielerinnen und Spieler ihre vier oder fünf Stunden verbringen.

Die Verantwortung geht weit über Rasenmähen und Düngen hinaus. Ein guter Greenkeeper bringt nicht reflexhaft Pflanzenschutzmittel aus, sobald sich eine Krankheit zeigt, sondern arbeitet nachhaltig mit den verfügbaren Ressourcen, schützt Biotope, achtet auf den Umweltschutz und versteht seine Anlage als eigenes Ökosystem.

Technik und Digitalisierung im Greenkeeping

Beim Thema Technik gerät Seufert in Fahrt. Wetterstationen erfassen Temperatur, Niederschlag, Sonneneinstrahlung und Luftfeuchte. Im Idealfall sind diese Messeinrichtungen mit der Beregnung gekoppelt, sodass sie weiß, wo es wie viel geregnet hat, und automatisch nur dort beregnet, wo es nötig ist. Auch die Beregnung selbst lässt sich heute per App steuern, jeder einzelne Beregner einzeln, ohne dass jemand mit dem Schraubenschlüssel ins Feld muss. Das spart Wasser und trifft gezielt die trockenen Stellen.

Dazu kommen Greenkeeper-Software-Lösungen, die handgeschriebene Excel-Listen und Stundenzettel ersetzen. Heute meldet sich der Mitarbeiter per App an, dokumentiert Arbeitsschritte, Maschineneinsatz und Materialverbrauch. Das Ergebnis ist eine saubere Dokumentation darüber, wer wann was mit welchem Mittel gemacht hat, ein enormer Sprung gegenüber den Listen von früher.

Autonomes Mähen: vom Aufsitzmäher bis zum Roboter

Der spannendste Trend ist für Seufert das autonome Mähen. Die Technik kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft, wo GPS-gesteuerte Maschinen längst Standard sind. Inzwischen rüsten Hersteller Aufsitzmäher um, sodass sie ihre Spur GPS-gestützt selbst halten, mit klar definierten Bereichen, in denen sie fahren dürfen. Wer morgens unkonzentriert ist, mäht damit nicht mehr versehentlich quer durchs Rough. Auch die Düngung lässt sich so steuern, dass kein Bereich doppelt gedüngt wird, was Ressourcen schont und den Rasen vor Überernährung schützt.

Daneben gibt es Lenkunterstützungen, die nicht vollständig autonom sind: Der Mitarbeiter sitzt noch oben, die programmierte Spur läuft aber automatisch, er kann jederzeit eingreifen. Noch relativ neu sind überdimensionale Roboter, vergleichbar mit den kleinen Mähern aus dem Hausgarten, nur eben groß genug fürs Fairway. Sie können unbeaufsichtigt arbeiten, nachts ohne Beleuchtung mähen und elektrisch betrieben so leise, dass Anwohner nichts merken. Rechtlich ist vieles davon noch im Fluss, und die Anschaffung ist teuer. Aber für Seufert ist klar, dass sich das Modell durchsetzen wird, vergleichbar mit den autonomen Ballsammlern auf der Driving Range, die ebenfalls bereits unterwegs sind.

Wie wird man Greenkeeper?

Eine direkte Ausbildung zum Greenkeeper gibt es in Deutschland nicht. Der ideale Einstieg ist ein grüner Beruf wie der Garten- und Landschaftsbau. Darauf aufbauend bieten die beiden Deula-Schulen in Freising und Kempen Fortbildungen zum Greenkeeper und Head Greenkeeper an. Welche der beiden Schulen passt, entscheidet sich vor allem über die Termine, inhaltlich sind beide vergleichbar. Seufert empfiehlt diese Weiterbildung ausdrücklich, weil sie nicht nur die Routine vermittelt, sondern den Blick öffnet: für nachhaltige Pflege, für Alternativen zum klassischen Mitteleinsatz und dafür, dass jede Anlage anders ist und keine pauschale Pflegevorschrift überall passt.

Wer Head Greenkeeper wird, kommt zusätzlich in eine Führungsrolle: Budgetverantwortung, Mitarbeiterführung, Arbeitsschutz und nicht zuletzt Kommunikation. Gerade weil heute weniger Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen und mehr mechanisch gearbeitet wird, etwa über Sanden und Aerifizieren, muss der Head Greenkeeper seinem Vorstand erklären, warum welche Maßnahme notwendig ist, und den Golferinnen und Golfern verständlich machen, warum die Anlage zeitweise eingeschränkt ist. Genau diese Fähigkeit zur Erklärung lernen Greenkeeper inzwischen mit.

Was man aus dem Gespräch mitnimmt

  • Zum Greenkeeper führen mehrere Wege, ideal ist ein grüner Beruf plus Deula-Fortbildung
  • Karriere geht vom Platzarbeiter über den Greenkeeper bis zum Head Greenkeeper oder Course Manager
  • Technik wie GPS-Lenkung und App-Beregnung spart Ressourcen, ersetzt aber nicht das fachliche Urteil
  • Klimawandel macht die Arbeit anspruchsvoller, von Trockenheit bis zu lokalen Unwettern
  • Wertschätzung und faire Bezahlung sind entscheidend, damit der Beruf attraktiv bleibt

Was ein Greenkeeper verdient

Eine pauschale Zahl fällt Seufert schwer, weil das Gefälle innerhalb Deutschlands deutlich ist. In den neuen Bundesländern wird tendenziell weniger gezahlt als in Ballungsräumen wie München oder Köln. Die online verfügbaren Spannen, die Mirco im Gespräch nennt, kann sie bestätigen: ein Greenkeeper verdient brutto zwischen rund 1.900 und 3.200 Euro im Monat, im Schnitt etwa 2.500 Euro. Beim Head Greenkeeper geht es bei etwa 3.500 Euro brutto los, nach oben sind fünfstellige Gehälter möglich. Wer eine Deula-Fortbildung absolviert hat, sollte als Greenkeeper jedenfalls über 3.000 Euro brutto liegen.

Eine Golfanlage wird letzten Endes am Platz gemessen. Genau dafür ist der Greenkeeper verantwortlich.

Klimawandel auf der Golfanlage

Die letzten Sommer haben die Branche spürbar getroffen, von ausgetrockneten Plätzen bis zu kurzen, heftigen Gewitterschauern, nach denen Anlagen lange gesperrt blieben. Wassermangel zwingt zum Umdenken, zu Brunnenbau, zu klügerer Beregnung und insgesamt zu mehr nachhaltiger Pflege. Der Verband greift das Thema auf Tagungen regelmäßig auf und treibt den Austausch mit den anderen Golfverbänden voran, damit gemeinsam Lösungen entstehen.

Der Greenkeeper Verband Deutschland

Der GVD ist ein anerkannter Berufsverband mit über 1.000 Mitgliedern, darunter Greenkeeper, Head Greenkeeper, Platzarbeiter, Golfclubs und Unternehmen aus der Branche. Sechs Regionalverbände halten den Kontakt vor Ort, dazu kommen bundesweite Tagungen, Feldtage, Workshops und mittlerweile auch Webinare. International arbeitet der Verband mit der FECA an Nachhaltigkeitsprojekten und kooperiert eng mit den Greenkeeper-Verbänden in Österreich und der Schweiz. Nach innen stellt der GVD Musterverträge, Arbeitsblätter und Fachinformationen bereit, die laufend aktualisiert werden, und entwickelt auf Wunsch neue Vorlagen.

Was sie nachts wachhält: Respekt für den Beruf

Auf die Frage, was sie umtreibt, kommt eine klare Antwort: Respekt. Auch im Greenkeeping gibt es Fachkräftemangel, weniger junge Menschen wollen den Beruf ergreifen, und einige, die ihn als Berufung lieben, hören irgendwann auf, weil der Druck zu groß wird. Häufige Vorstandswechsel, gekürzte Budgets und veränderte Witterungsbedingungen treffen die Greenkeeper hart, dazu kommt das Gefühl, auf dem Platz manchmal nur im Weg zu sein. Seufert wünscht sich, dass auf Golfanlagen branchenweit respektvoller mit den Mitarbeitern umgegangen wird, dass faire Jobs entstehen und dass die Bezahlung dem Wissen und der Verantwortung entspricht. Bis dahin, sagt sie, ist es ein weiter Weg, aber genau das ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Was sie ihrem jüngeren Ich raten würde

Auf die Learnings ihrer eigenen Karriere blickt Seufert klar. Das Wichtigste war der Austausch mit Kollegen. Über den Golfbetriebswirt beim DGV und die Treffen des Golfmanagementverbands hat sie ihr Netzwerk aufgebaut, und entscheidend waren oft nicht die Vorträge, sondern die Gespräche in den Pausen und beim Abendessen. Zu wissen, dass andere die gleichen Sorgen haben, hilft. Über die Jahre sei sie zudem deutlich gelassener geworden. Früher habe sie Dinge verbissener und perfektionistischer gesehen, heute mit mehr Abstand, ohne sie weniger ernst zu nehmen. Mitarbeitern zuzuhören und respektvoll mit ihnen umzugehen, sei das, was sie sich am Anfang öfter gewünscht hätte.

Fazit

Greenkeeping ist längst kein reiner Rasenmäher-Job, sondern ein Fachberuf mit Verantwortung, der durch Technik und Klimawandel eher anspruchsvoller als überflüssig wird. Wer gerne draußen arbeitet, eine Affinität zur Natur mitbringt und bereit ist, sich über die Deula-Schulen weiterzubilden, findet hier ein zukunftssicheres Berufsfeld mit echten Karriereperspektiven. Damit dieses Bild auch in der Branche selbst ankommt, braucht es genau das, was Seufert immer wieder einfordert: mehr Wertschätzung und faire Bedingungen.

Passend dazu: Wie viel man als Greenkeeper im Detail verdient, steht im Ratgeber Was verdient ein Greenkeeper?

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