Vom Sportbusiness zum Bildungsexperten
Benjamin Willems ist Diplom-Sportwissenschaftler und arbeitet, wie er sagt, schon im Sport, solange er denken kann. Mit dreieinhalb hat er das erste Mal gegen einen Ball getreten, in der Schulzeit für Zeitung und Radio gearbeitet und an der Sporthochschule Köln Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Management und Ökonomie studiert. Vor dem IST war er in der Sportvermarktung tätig, unter anderem im Fußball für große und kleine Agenturen, immer als Vermittler zwischen Wirtschaft und Sport. Schon während des Studiums kam er über die Führungsakademie des Deutschen Sportbundes erstmals mit dem Thema Bildung in Berührung. Seit rund zehn Jahren ist er beim IST und inzwischen Vertriebsleiter im Fachbereich Sport.
Zum Golf führten ihn zwei Wege. Beruflich gab es erste Berührungspunkte über Projektarbeiten im Studium und später über das Agentur-Netzwerk, in dem eine frühe Platzreife nicht schaden kann. Selbst zum Schläger griff er erst spät, nach gefühlt zehn Schnupperrunden hatte er irgendwann Lust, wirklich eine Bahn zu spielen, die Platzreife machte er sogar erst im Jahr vor dem Interview. Sein Verständnis von der Rolle bringt er mit einer Anekdote auf den Punkt: Jochen A. Rothaus, heute Sponsoring-Direktor bei Bayer Leverkusen, habe früher Filme verkauft und auf die Frage, was er denn mit Fußball oder Eishockey am Hut habe, geantwortet, er könne nicht einmal die Regeln, aber er könne verkaufen. Genauso sieht Willems den Vertrieb von Bildungsangeboten im Golf: zuhören und verkaufen können zählt mehr als das Golfspezifische.

Was ist das IST?
Das IST ist ein Familienunternehmen, gegründet von Dr. Hans Ulrich, dessen Frau Dr. Kathrin Gessner Ulrich heute als Geschäftsführerin tätig ist. Angefangen hat alles in einer Garage, mit Lehrheften zu Sport-, Freizeit- und Tourismusmanagement für eine Gruppe Arbeitssuchender. Mehr als 30 Jahre später ist daraus ein Fernstudien-Spezialist geworden. Spätestens seit Corona muss Willems den Begriff Fernstudium kaum noch erklären, jeder kennt Homeschooling. Beim IST läuft das sehr digital, mit Videos aus eigenen TV-Studios, ergänzt um Präsenzphasen und Webinare. Das Kürzel stammt vom ursprünglichen Namen Institut für Sport und Touristik, heute spricht man vom IST-Studieninstitut. 2013 kam die eigene Hochschule dazu. Insgesamt deckt das IST fünf Fachbereiche ab: Tourismus und Gastronomie, Fitness und Wellness, Event und Medien sowie den Bereich Sport, zu dem die Teildisziplin Golf gehört. Wie stark das Modell gewachsen ist, zeigt eine Zahl: Als Willems anfing, waren es 64 Mitarbeiter, inzwischen sind es fast 150.
Warum Fortbildung immer wichtiger wird
Seit der Golfsport vor knapp drei Jahrzehnten in Deutschland groß geworden ist, wird die Branche immer professioneller. Damit steigen die Anforderungen an gut qualifiziertes Personal, und entsprechend ist ein eigener Markt für Bildungsangebote entstanden. Eine Weiterbildung bringt tendenziell nicht nur ein höheres Gehalt, sondern öffnet auch den Zugang zu größeren Aufgaben und neuen Berufen. Genau hier sieht Willems die Rolle des IST, das eng mit Verbänden wie GVD, GMVD und BVGA zusammenarbeitet und im Austausch mit dem DGV steht.
Die vier Stufen der Golf-Weiterbildung
Willems erklärt das Ausbildungskonzept als eine Art Busreise: Man steigt dort ein, wo es zur eigenen Situation passt, und dort wieder aus, wo das Ziel erreicht ist.
Golfsekretär
Die erste Stufe ist der Golfsekretär, eine sechsmonatige Weiterbildung. Hier lernt man alles, um auf der Anlage ins kalte Wasser springen zu können: sich an den Empfang stellen, Gäste begrüßen, Fragen beantworten und in die Branche einsteigen. Ideal als Kennenlern-Praktikum oder für die ersten Monate eines dualen Studiums.
Bachelor Sport Business Management
Der zweite Baustein ist das duale Bachelor-Studium Sport Business Management. Es besteht zur Hälfte aus Sportökonomie und zur Hälfte aus General Management, also faktisch einem halben BWL-Studium. Die Golfanlage übernimmt über dreieinhalb Jahre den betrieblichen Teil, das IST den Hochschulteil.
Golfbetriebsmanager
Zum Ende des Studiums steht das Wahlpflichtmodul zum Golfbetriebsmanager, das man auch losgelöst von der Hochschule als reine Weiterbildung wählen kann. Es vermittelt tiefergehendes Know-how, um, bildlich gesprochen, vom Empfang ins Backoffice zu wechseln und verantwortungsvollere Aufgaben zu übernehmen.
Master
Für alle, die danach noch einen Schritt weiter gehen wollen, lässt sich ein Master anschließen, gerade für jene, die auf der Golfanlage in die nächste Führungsebene wachsen möchten.
Welche Weiterbildung zu wem passt
- Golfsekretär: sechs Monate, ideal zum Reinschnuppern und für den Einstieg an der Rezeption
- Bachelor Sport Business Management: dual, dreieinhalb Jahre, halbe Sportökonomie und halbes Management
- Golfbetriebsmanager: tiefergehende Qualifikation für den Schritt vom Empfang ins Backoffice
- Master: für den Weg in die nächste Führungsebene
- Einstieg flexibel: man steigt in den Bus dort ein, wo es zur eigenen Situation passt
Das duale Studium auf der Golfanlage
Besonders gefragt ist das Modell, einen jungen Menschen über das duale Studium direkt auf der Anlage auszubilden. Über 50 Golfanlagen nutzen es inzwischen, im Oktober vor dem Interview starteten zwölf neue duale Studenten auf Golfanlagen, pro Jahr sind es rund 40 Starter, teils auch als berufsbegleitendes Teilzeitstudium. Die Nachfrage ist so groß, dass das IST zwischen 15 und 25 Anlagen im Jahr nicht bedienen kann, weil kein passendes Matching mit einem Kandidaten zustande kommt. Über die hauseigene Jobbörse joborama.de waren zum Oktoberstart 40 Stellen offen, 15 davon auf Golfanlagen. Bei den klassischen Weiterbildungen Golfsekretär und Golfbetriebsmanager liegt man zusammen bei 40 bis 60 Anmeldungen im Jahr.
Ich kann nicht mal die Regeln, aber ich kann verkaufen. Genauso ist es im Golf: zuhören und verkaufen zählt mehr als das Golfspezifische.
Wie das IST tickt
Wer überlegt, einen dualen Weg im Sport zu gehen, profitiert davon, mit wem er auf der Anbieterseite spricht. Im Vertrieb bewegt sich Willems mit großer Freiheit und Verantwortung, jeder Tag ist anders, vom Konzipieren einer Öffentlichkeitsstrategie für einen neuen Kurs bis zur persönlichen Begleitung von Interessenten. Das Team ist jung, hochgradig serviceorientiert und arbeitet bewusst nicht nach harten Verkaufsvorgaben, weil Service nur dann ehrlich ist, wenn man auch einmal "nein" sagen darf. Statt einer Callcenter-Maschinerie sitzen Menschen mit Berufserfahrung im Sport am Hörer, die Interessenten und Studenten ein Stück in den Markt begleiten. Genau das, sagt Willems, sei das eigentliche Kapital: keine Abfertigung, sondern eine echte Beratung.
Für Anlagen, die mit dualen Studenten arbeiten, hat er einen klaren Hinweis. Wer junge Leute nur als günstige Arbeitskraft sieht, wird damit nicht glücklich. Wer sie aktiv in ihrer Ausbildung unterstützt, gewinnt mittelfristig eine echte Fachkraft, die das Unternehmen versteht.
Vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt
Spannend ist Willems' Blick auf den Arbeitsmarkt. Vor zehn Jahren war es ein klarer Arbeitgebermarkt, auf jede Stelle gab es genug Bewerber. Das drehte sich zu einem Arbeitnehmermarkt, denn Golfanlagen liegen meist nicht in der Innenstadt, sondern auf der grünen Wiese, und sprechen junge Leute nicht automatisch an. Der Fachkräftemangel wurde spürbar. Mit dem ersten Lockdown kam dann abrupt wieder ein Wechsel, hin zu einem War of Talents, begleitet von großer Unsicherheit und zurückgestellten Neueinstellungen.
Zugleich haben sich die Ansprüche junger Bewerber verändert. Wer ständig vom Fachkräftemangel hört, ist anders sozialisiert als eine Generation, die mit hohen Arbeitslosenzahlen aufwuchs. Das Thema Work-Life-Balance trifft in traditionellen Entscheidungsstrukturen, wie man sie auf manchen Golfanlagen findet, schnell auf Reibung. Willems' Appell geht an beide Seiten: Arbeitgeber sollten Bewerbungen wohlwollender betrachten und akzeptieren, dass sich die Zeiten geändert haben, und junge Leute sollten nicht nach drei Monaten den Arbeitgeber wechseln, sobald etwas nicht gefällt. Erfreulich: Die dualen Studenten betrifft die Unsicherheit kaum, die Anmeldezahlen zum Wintersemester haben die Ziele sogar übertroffen.
Sein kritischer Blick auf die Golfbranche
Weil Willems aus dem olympischen Sport kommt, vergleicht er automatisch. Der Golfsport habe sich in zehn Jahren stark entwickelt, das verstaubt-spießige Image gelte nur noch für sehr traditionelle Anlagen. Trotzdem spart er nicht mit Kritik: In keiner anderen Teilbranche des Sports werde so viel Fragwürdiges so positiv dargestellt. Er wünscht sich, dass der Golfsport Probleme offener benennt und gemeinsam löst. Auch bei der Zusammenarbeit der Verbände und Bildungsanbieter sieht er Luft nach oben, ein gemeinsames Gremium für Bildungsangebote sei bislang nicht zustande gekommen. Die Bildungsnachfrage im Golf verändere sich, es werde nach neuen Produkten gefragt.
Fazit
Die Golfbranche wird professioneller, und damit wächst der Wert einer fundierten Weiterbildung. Vom kurzen Golfsekretär-Lehrgang über das duale Studium bis zum Master gibt es für jedes Ziel den passenden Einstieg. Gerade das duale Modell ist für Anlagen attraktiv, die sich selbst Nachwuchs heranziehen wollen, und für junge Menschen ein realistischer Weg in einen vielfältigen Sportmarkt. Entscheidend ist, dass beide Seiten aufeinander zugehen.
