Der Bundesverband Golfanlagen: Interview mit Thomas Hasak

Veröffentlicht: 13.10.2021 · Mirco Timm

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Golfanlage im warmen Abendlicht

Worum es geht: Thomas Hasak ist Geschäftsführer des Bundesverband Golfanlagen (BVGA), des Dachverbands der Golfplatz-Eigentümer. Im Podcast-Interview erklärt er, wie der Verband seine Mitglieder wie eine Unternehmensberatung begleitet, was aus dem Boom der 90er geworden ist, warum aus vielen Einzelanlagen zunehmend Betreiberketten werden und wieso eine Golfanlage einer der spannendsten Arbeitsplätze überhaupt ist.
Reinhören: Das komplette Gespräch gibt es als Folge im Golf Karriere und Business Podcast. Das Gespräch wurde 2020 aufgezeichnet, einzelne Zahlen sind eine Momentaufnahme aus dieser Zeit.

Vom Kreuzfahrtschiff in die Golfbranche

Hasak kommt ursprünglich aus dem Tourismus. Als Hotel- und Touristikkaufmann hat er für große Reiseunternehmen auf allen Kontinenten gearbeitet, war Produktmanager für Seereisen und Kreuzfahrten und auf einem Luxuskreuzfahrtschiff sogar zweimal um die Welt gereist. In die Golfbranche kam er 1997 durch Zufall. Inspiriert vom Masters-Sieg Bernhard Langers Mitte der 80er hatte er ein Golf-Interesse, das er beim Besuch einer Anlage bei Frankfurt unverhofft in einen Job verwandelte. Im Sekretariat saß ein früherer Schulfreund, der in zwei Wochen aufhörte und ihm seinen Posten anbot. Aus dem Reisebüro-Profi wurde so binnen Tagen ein Golfmanager.

Es folgten Jahre als Geschäftsführer mehrerer Anlagen, bevor er 2004 die Geschäftsführung des Bundesverbands Golfanlagen übernahm und damit von der einzelnen Anlage in die Branchenarbeit wechselte. Seit über fünfzehn Jahren ist er nun in dieser Rolle.

Die Blütezeit der 90er

Wer den deutschen Golfmarkt einordnen will, muss diese Zeit kennen. Mitte der 90er entstanden rund fünfzig neue Anlagen pro Jahr, viele Tennisspieler wechselten in den Golfsport, und als Manager konnte man jährlich 100 bis 200 neue Mitglieder gewinnen. Lebenslange Mitgliedschaften wurden offen vermarktet, weil viele Interessenten Sorge hatten, später keinen Aufnahmeplatz mehr zu bekommen. In den elitäreren Clubs lagen die Aufnahmegebühren bei 20.000 bis 25.000 D-Mark, in einigen Häusern brauchte man sogar einen Bürgen aus den eigenen Reihen. Die Jahresgebühren bewegten sich zwischen 2.000 und 3.000 D-Mark. Aus heutiger Sicht klingt das fast skurril, war damals aber selbstverständlich.

Was der BVGA eigentlich macht

Der Bundesverband Golfanlagen ist der Dachverband der Golfplatzunternehmer, also der Eigentümer und Betreiber. Aktuell sind es rund 172 Mitglieder in vier Ländern. Die Kernaufgabe beschreibt Hasak wie eine Unternehmensberatung: Der Verband unterstützt seine Mitglieder in wirtschaftlichen, strategischen und marktspezifischen Fragen, mit dem klaren Ziel, ihr betriebswirtschaftliches Ergebnis zu verbessern. Die Geschäftsstelle ist mit vier Personen besetzt und deckt Geschäftsführung, Marketing und Vertrieb, Veranstaltungswesen sowie Rechnungswesen und Controlling ab. Klein, fokussiert, und durch die Spezialisierung sehr nah an den Realitäten der Betriebe.

Sein Tagesgeschäft

Die Beratung reicht über alle Betriebsbereiche: Gastronomie, ProShop, Platzpflege, Golfschule, Akademie. Ein typischer Fall ist die Gastronomie. Läuft das Clubrestaurant defizitär, holt sich der Verband die Kennzahlen, analysiert Öffnungszeiten, Personal und Wareneinsatz und bespricht Maßnahmen. Im Winter kann das heißen, den Restaurantbetrieb von November bis Februar zu schließen und stattdessen mit Snacks oder Automaten über die Rezeption zu arbeiten. Kreative Betreiber bauen sich eine Wintersaison über Veranstaltungen auf: Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, ein Weihnachts- oder Golfbasar, Wine-Tasting, Modenschauen. Allein der Wechsel der Perspektive, von der Sicht eines einzelnen Geschäftsführers hin zum branchenweiten Vergleich, hilft vielen Anlagen mehr als jede generische Empfehlung.

Ähnlich konkret läuft es in anderen Bereichen. Im ProShop steht oft die Frage im Raum, ob das Warensortiment noch rechnet oder angepasst werden muss. In der Platzpflege geht es um zu hohe Kosten und um die Überlegung, ob sich Outsourcing lohnen würde. Wer einen neuen Manager einstellt, möchte einen sauberen Mustervertrag in der Hand haben, statt jedes Mal von Null zu starten. Und dann sind da die Querschnittsthemen, die in jeder Beratung auftauchen, von der Personalsuche über Investitionsentscheidungen bis hin zu der ganz aktuellen Frage, was rechtlich gerade geht und was nicht.

Was Golfanlagen-Betriebe heute beschäftigt

  • Gut geschultes Personal in Vertrieb und Marketing wird zum entscheidenden Hebel für mehr Umsatz
  • Die Themenansprache verschiebt sich vom reinen Sport hin zu Familie, Gesundheit und Spaß
  • Gastronomie bleibt ein Dauerthema, oft gelöst über ein zusätzliches Veranstaltungsgeschäft
  • Neue Mitglieder halten heißt: soziale Integration plus echte sportliche Weiterentwicklung
  • Betreiberketten wachsen, das erhöht den Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften

Stagnation? Aus seiner Sicht eher Wandel

Auf die Frage, ob die deutsche Golfbranche etwas falsch mache, antwortet Hasak klar. Die Verantwortlichen zeigten in seiner Wahrnehmung mehr Fleiß und Kreativität als je zuvor, gerade bei Preisen und Produkten. Vor allem aber setzen Anlagen zunehmend auf gut geschultes Personal in Vertrieb und Marketing, was nüchtern betrachtet der größte Hebel für mehr Umsatz und ein besseres Ergebnis ist. Auch die Themenansprache an Neugolfer hat sich verschoben. Wo früher Turniere und Handicap im Mittelpunkt standen, rückt heute deutlich stärker das Thema Familie in den Fokus, dazu Gesundheit und ganz einfach Spaß. Erste Gespräche mit Krankenkassen über präventive Modelle gibt es bereits, der Idealfall wäre, dass jemand mit Golf beginnt, bevor er krank wird.

Golfplatzsterben? Eher Konsolidierung

Schließungen sieht Hasak kaum, von einer einzigen im Gesprächsjahr ist die Rede. Was zunimmt, sind Transaktionen. Viele Betreiber, die Anfang der 90er gestartet sind, sind heute dreißig Jahre älter und regeln ihre Nachfolge. Nicht immer wollen die Kinder übernehmen, also wird verkauft. Käufer sind überwiegend Private, häufig erfolgreiche Golfplatzunternehmer, die eine zweite oder dritte Anlage dazunehmen. So sind über die Jahre Betreiberketten entstanden, mit Management aus einer Hand über mehrere Standorte. Beispiele sind die Murhof-Gruppe aus Österreich mit rund 35 Anlagen oder die Weiland-Gruppe mit zehn bis elf Anlagen in mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden. Hasak hält den Trend, ähnlich wie bei Fitnessstudio-Ketten, für anhaltend, und damit steigt der Bedarf an Fachpersonal mit Branchenwissen.

Wie man neue Mitglieder hält

Aus dem starken Zulauf der letzten Zeit zieht Hasak zwei Lehren für die Kundenbindung. Erstens die soziale Integration: Es braucht einen Kümmerer, der neue Mitglieder buchstäblich an die Hand nimmt, sie über Veranstaltungen und Turniere einführt und untereinander bekannt macht. Zweitens die sportliche Weiterentwicklung. Ein Schnupperkurs und die Platzreife reichen nicht, der Spaß wächst erst, wenn die Spielerinnen und Spieler über gute Kurskonzepte tatsächlich besser werden. Eine gute Anlage lebt davon, dass sie diese beiden Seiten parallel pflegt, das soziale Netz und die spielerische Entwicklung.

Jeden Tag neue Menschen kennenlernen, das ist ein Mehrwert, den dir kein typischer Bürojob geben kann.

Corona als Wendepunkt: vom Schock zur Digitalisierung

Die größte Belastung im Gesprächszeitraum war die Pandemie. Auf Initiative des BVGA telefonierten zu Beginn der Krise alle relevanten Golfverbände miteinander, der Golflehrer-Verband, der Managerverband, der Deutsche Golf Verband und der Greenkeeper-Verband. Gemeinsam entwickelte man ein Hygienekonzept für die Branche, das später an die Politik weitergereicht wurde. In Hochzeiten habe man mit 57 Ministerien parallel zu tun gehabt, weil das föderalistische System pro Bundesland mehrere Zuständigkeiten kennt. Das Ergebnis war beachtlich: Schon am 11. Mai durften die Anlagen bundesweit wieder öffnen, viel früher als anfangs gedacht.

Was danach passierte, war eine kleine Überraschung. Viele Anlagen liefen besser als geplant, Jahresbudgets waren teils schon im August oder September erreicht, und es kamen viele neue Mitglieder hinzu. Die Pandemie hat zudem die Digitalisierung enorm beschleunigt. Online-Tee-Time-Buchungen sind heute praktisch Standard, viele Anlagen, geschätzt 100 bis 120, haben dieses Jahr nachgezogen, schon allein, weil sie nachweisen mussten, wer wann mit wem auf der Anlage war. Hasak sieht darin einen Schub, der bleibt.

Was ihn optimistisch macht: Technik und Natur

Bei den positiven Entwicklungen nennt Hasak vor allem Modernisierung und Automatisierung. Dass ein großer, GPS-gesteuerter Mähroboter ganz ohne Personal die Fairways pflegt, hätte er sich zu Beginn seiner Golfzeit nicht vorstellen können. Beim nächsten internationalen Golffachkongress des Verbands soll so eine Maschine live vorgeführt werden, damit Betreiber sehen, was technisch heute möglich ist. Dazu kommt der ökologische Wert: Golfanlagen leisten über Artenschutz, Pflanzenvielfalt und große extensive Flächen einen spürbaren Beitrag gerade in Zeiten des Klimawandels. Und nicht zuletzt das Menschliche: Wer auf einer Anlage arbeitet, lernt jeden Tag neue, oft spannende und manchmal prominente Menschen kennen, vom Stammspieler bis zum Greenfee-Gast. Genau diesen Mehrwert sieht Hasak als unschlagbares Argument für die Branche.

Fazit

Hasaks Blick auf die Branche ist nüchtern und zugleich zuversichtlich: kein Golfplatzsterben, sondern Konsolidierung, professionellere Betriebe, mehr Familie und Gesundheit in der Ansprache und ein wachsender Bedarf an gut ausgebildeten Leuten. Für alle, die einen Einstieg suchen, ist seine Botschaft eindeutig. Die Golfanlage ist ein abwechslungsreicher Arbeitsplatz, der mehr bietet als Zahlen und Schreibtisch, und gerade in Zeiten von Strukturwandel und Digitalisierung ergeben sich neue Rollen für Menschen, die anpacken wollen.

Ganze Folge hören: Mehr zur Arbeit des BVGA, zur Lage der Branche und zu Hasaks Weg vom Tourismus ins Golf gibt es in der Podcast-Folge.

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