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Interview mit David Cardew von Trackman

Interview

Geschäftsmodell Driving Range, Künstliche Intelligenz und digitales Golf - Interview mit David Cardew

David Cardew über Driving Ranges, künstliche Intelligenz und digitales Golf. Ein Podcast-Interview über neue Geschäftsmodelle in der Golfbranche.

7 Min. Lesezeit Verfasst Mirco Timm Interview

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Cover der Folge Geschäftsmodell Driving Range, Künstliche Intelligenz und digitales Golf, Interview mit David Cardew

Podcast-Folge

Geschäftsmodell Driving Range, Künstliche Intelligenz und digitales Golf, Interview mit David Cardew

Aus Datenschutzgründen wird die Folge erst nach dem Klick geladen. Dauer 33:26.

Worum es geht: David Cardew leitet den Vertrieb bei Trackman und ist selbst PGA Professional. Im Podcast-Interview erklärt er, wie aus der Driving Range ein eigenes Geschäftsmodell wird, warum der Indoor-Simulator den Golfmarkt langfristig verändern wird und welche Rolle künstliche Intelligenz, Online-Turniere und Augmented Reality in den nächsten Jahren spielen.
Reinhören: Das komplette Gespräch gibt es als Folge im Golf Karriere und Business Podcast.

Vom Golflehrer zum Vertrieb

David Cardew lebt in Hamburg, ist Anfang dreißig und leitet seit sechs Jahren den deutschen Vertrieb bei Trackman. Vorher war er als Golflehrer unterwegs und ist fully qualified PGA Professional. Den Sport hat er nicht gewählt, der Sport hat ihn gewählt. Seine Mutter spielt mit über sechzig immer noch Handicap 4, sein Vater war ähnlich leidenschaftlich und hat ihn schon als Kind trainiert. Über die Kaderstrukturen, damals im Hessenkader, wurde er mit 16 Hessenmeister. Großgeworden ist er in einem vollen Haus, neben einem leiblichen Bruder kamen regelmäßig Pflegekinder dazu, im Schnitt waren sie zu fünft.

Den Wechsel vom Pro zur Trackman-Vertretung beschreibt er nüchtern. Als Golflehrer war er stets selbst das Produkt, im Vertrieb hat er ein konkretes Gerät, das seine alten Kollegen kaufen. Genau diese Golflehrer sind heute ein großer Teil seiner Kunden, dazu kommen Golfclubs und viele Amateure.

Was ist Trackman?

Trackman ist ein dänisches Familienunternehmen mit Sitz in Kopenhagen, gegründet 2003. Die Firma vermisst Sportbälle, hauptsächlich im Golf und im Baseball, daneben auch Fußball, American Football und Tennis. Im Golfbereich ist Cardew europaweit der Ansprechpartner. Das Kerngerät ist auffallend orange und etwa so groß wie ein Laptop. Man stellt es rund zweieinhalb Meter hinter den Ball, der Spieler schlägt mit dem eigenen Schläger und seinem eigenen Ball, ohne Aufkleber oder Sensoren. Das System misst den Flug vollständig und liefert Werte wie Abflugwinkel, Ballgeschwindigkeit, Spin und den Smash-Faktor.

Diese Daten gehen direkt an den Spieler zur Verbesserung der Technik. Verkauft wird das Gerät an Golflehrer für den Unterricht, an Amateure für zu Hause und an Golfclubs als Mitgliederservice. Das aktuelle Modell ist der Trackman 4. Selbst wenn das Gehäuse seit Jahren gleich aussieht, hat sich die Software in dieser Zeit so stark weiterentwickelt, dass ein heutiges Gerät weit mehr leistet als eines vor vier Jahren.

Wie die Technik funktioniert

Eine elegante Eigenschaft des Systems erklärt vieles, was darüber hinaus möglich ist. Trackman muss den Ball gar nicht über die volle Distanz verfolgen. Die ersten Meter nach dem Schlag enthalten genug physikalische Information, um den gesamten Flug exakt hochzurechnen. Das ist der Grund, warum man auch in einem kleinen Raum gegen eine Leinwand oder ein Netz schlagen kann: Das System misst die Anfangsphase, das Netz fängt den Ball, und die Software liefert das Ergebnis, als wäre der Schlag auf einem Fairway gelandet. Genau auf dieser Grundlage funktionieren Indoor-Simulatoren, in denen man dann auf bekannten Plätzen wie Pebble Beach oder St. Andrews spielt, ohne den Raum zu verlassen. Und dass das Gehäuse seit Jahren gleich bleibt, während die Software wächst, bedeutet für Besitzer, dass eine einmal gekaufte Hardware durch Updates spürbar besser wird.

Vom Übungsgerät zum Geschäftsmodell auf der Driving Range

Neben dem Einzelgerät bietet Trackman ein zweites Produkt an, die Trackman Driving Range. Sie wird vom Club selbst betrieben und versorgt jede Abschlagbox mit Daten. Jeder Spieler bekommt seine Schlagwerte auf Handy, iPad oder einen großen Bildschirm geliefert. Damit lässt sich die Range völlig neu denken: Aus dem klassischen Techniktraining wird ein Wettbewerb. Zwei Boxen treten in einem Nearest-to-Pin gegeneinander an, eine ganze Gruppe spielt virtuell 18 Loch in St. Andrews, der Club organisiert Platzreife-Prüfungen, Turniere oder Firmenevents auf der eigenen Range. Cardew formuliert den Anspruch klar: Es geht um den Entertainment-Faktor, nicht mehr nur ums Aufwärmen.

David Cardew Trackman Interview Podcast

Indoor-Golf-Simulator: das Wohnzimmer als Pebble Beach

Rund die Hälfte der verkauften Geräte landet bei Privatleuten zu Hause, oft in ausgebauten Simulator-Räumen. Daneben wächst eine eigene Szene aus Indoor-Golf-Centern. In so gut wie jeder deutschen Großstadt gibt es inzwischen zwei oder drei solcher Anlagen, in Berlin allein vier, dazu welche in München, Hamburg, Nürnberg oder Gelsenkirchen. Längst sind nicht mehr nur Pioniere unterwegs, auch Franchise-Konzepte und größere Investoren steigen ein, weil sich aus dem ganzjährigen Indoor-Geschäft ein tragfähiges Modell entwickeln lässt. Wer einen Simulator hat, kann mehr als hundert weltbekannte Golfplätze spielen, von Pebble Beach bis St. Andrews.

Was Golfanlagen daraus mitnehmen

  • Trackman macht die Driving Range messbar, unterhaltsam und damit besser monetarisierbar
  • Mit der Trackman Driving Range entstehen aus dem Aufwärmplatz Wettbewerbe, Events und Turniere
  • Ein Indoor-Simulator verlängert die Saison und hält Mitglieder auch im Winter im Clubhaus
  • Neue Mitgliedsmodelle aus Outdoor und Indoor kombinieren Sport und Erlebnis
  • Daten und KI werden mittelfristig zu einem festen Bestandteil des Spielerlebnisses

Online gegen die Welt: V-Golf

Spielen gegen andere Menschen, ohne das Haus zu verlassen, gibt es längst, allerdings noch nicht in Echtzeit beim Golf. Beim Radfahren laufen Zwift und Peloton, beim Rennsport hat sich V-Racing etabliert. Im Golf hält Cardew das für unausweichlich, der Sport sei mit der Wii aber nicht zu vergleichen, denn die Skills, die draußen über Erfolg entscheiden, zählen auch im Simulator. Wer 250 Meter geradeaus schlagen, sauber pitchen und zuverlässig putten muss, gewinnt nicht über Daumen-Geschick. Live-Spielen gegen andere ist noch nicht möglich, aber in Arbeit. Eindrücklich war im Corona-Jahr die BMW Indoor Invitational, bei der Profis wie Bernd Wiesberger und Martin Kaymer in ihren Simulatoren live gegeneinander antraten und das Publikum online dabei war.

Outdoor-Golf hat sich in 30 Jahren kaum verändert und wird sich kaum noch verändern. Indoor wird in den nächsten 20 Jahren komplett anders aussehen.

Corona als Beschleuniger

Anfangs hat die Krise auch Trackman getroffen, vor allem das Baseball-Geschäft mit seinem starken TV-Bezug. Im Golf entwickelte sich dann das Gegenteil. Weltweit verzeichnete der Sport rund zwanzig Prozent mehr Wachstum als in den Vorjahren, viele Amateure legten sich für die geschlossene Zeit einen Trackman ins Wohnzimmer, manche stellten einfach ein Netz in den Garten. Aus dieser Situation wuchs der Online-Bereich stark, die Verbindung von Tour-Profis, Teaching-Pros und Amateuren wurde gezielt ausgebaut. Was als Notlösung begann, hat dem Indoor-Segment einen Schub gegeben, der vermutlich auch nach der Pandemie bleibt, weil viele die Vorteile des Spielens zu Hause schätzen gelernt haben.

Wer bei Trackman arbeitet

Trackman beschäftigt rund 450 Mitarbeiter, alle in Dänemark. Etwa die Hälfte arbeitet im Vertrieb, die andere Hälfte in der Entwicklung. Für ein Tech-Unternehmen ist das sehr entwicklungslastig, weil das Produkt ständig weiterentwickelt wird. In Deutschland sind fünf Mitarbeiter exklusiv für Trackman tätig, Vertrieb läuft direkt, ohne Distributoren. Wer auf Jobsuche ist: Gute Software-Leute werden ständig gebraucht und sitzen in Kopenhagen, dort gibt es auch Praktika, Werkstudentenstellen und Studienoptionen. Vertrieb und Marketing sind lokal in den Märkten verteilt, von Spanien über Frankreich bis nach Großbritannien.

Was als Nächstes kommt: Handicap, Turniere, KI

Mit Drohnen-Vermessungen kann Trackman jeden Golfplatz weltweit als Simulation anbieten. Mitglieder können den eigenen Heimatplatz auch im Winter spielen, was die Bindung deutlich erhöht. Geplant ist außerdem ein eigenes Handicap-System, angelehnt an das World Handicap System. Dazu kommen Online-Turniere und mittelfristig auch Live-Spiele, bei denen man gegen jemanden in einer anderen Stadt antritt und dessen Schläge im eigenen Simulator sieht. Leaderboards, Mannschaftsformate, eigene Majors und perspektivisch Preisgelder gehören in dieses Bild.

Eine eigene Spur ist die künstliche Intelligenz. Cardew skizziert eine Software, die nach einer Runde auswertet, dass jemand fünf Schläge nach rechts geschlagen hat, und passende Übungen empfiehlt. Auch während des Spiels könnte das System Tipps geben, wie man ein Loch am besten angeht. An solchen Modulen arbeitet das Unternehmen.

AR und VR: noch nicht in Serie

Auch in Sachen Augmented und Virtual Reality testet Trackman, ein Serieneinsatz steht aber noch nicht an. Cardew geht davon aus, dass es kommen wird, und betont gleichzeitig, dass die Branche im Tracking technologisch klar führt. Wenn jemand das Thema aufmacht, wird Trackman vorne mit dabei sein.

Wie Indoor die vier Golf-Probleme angeht

Spannend wird das Gesamtbild, wenn man die Hürden des Golfsports nüchtern sortiert. Die USGA nennt vier zentrale Punkte: Zeitaufwand, Schwierigkeit, Vereinbarkeit mit der Familie und Kosten. Indoor-Golf adressiert alle vier zugleich. Eine Runde dauert kürzer, sie ist über die digitale Auswertung einfacher zugänglich, sie lässt sich besser in den Alltag und das Familienleben einbauen und sie ist sowohl im Betrieb als auch beim Spielen günstiger. Dazu kommen kombinierte Mitgliedschaften aus Outdoor und Indoor, und die Möglichkeit, jeden Platz der Welt zu spielen, statt nur den eigenen.

Fazit

Trackman steht beispielhaft für einen Golfsport, der digitaler, messbarer und unterhaltsamer wird, ohne seine Wurzeln in der Natur zu verlieren. Für Golfanlagen liegt darin eine doppelte Chance: zusätzliche Einnahmen aus Driving Range und Indoor-Angeboten und ein deutlich niedrigerer Einstieg für neue Zielgruppen, die mit dem klassischen Bild des Sports lange wenig anfangen konnten.

Passend dazu: Weitere Ideen für zusätzliche Erlöse stehen im Ratgeber Mehr Umsatz für Golfanlagen.

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